STORIES

Mit diesem Blog wollen wir Ihre Abenteuerlust wecken und zu Erkundungsausflügen in die Umgebung einladen. Beginnen werden wir mit Reisebeschreibungen aus der Feder von Maria Frisé. Sie hat als Journalistin im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ viele Reiseberichte geschrieben und wird nun – speziell für Sie ausgerichtet – weitere lohnende Ausflugsziele vorschlagen.

Nr. 1

ALS FLÜCHTLING IN SCHLESWIG-HOLSTEIN

Im ersten Reisebericht erzählt die Autorin zunächst von ihrer Ankunft in Schleswig-Holstein.
Sie war 19 Jahre alt, frisch verheiratet und schwanger
(Text entnommen aus ihrem Buch „Meine schlesische Kindheit“).

Der Krieg war zu Ende, doch von einem normalen Leben waren wir weit entfernt. Millionen von Flüchtlingen hatten sich vor den Russen in die englische Besatzungszone gerettet. Die Häuser in dem ländlichen, verhältnismäßig dünn besiedelten Schleswig-Holstein füllten sich bis unters Dach; in Ställen und Scheunen, Baracken und Schuppen drängten sich Menschen aus dem Osten. Die „Stunde Null“ wurde von den meisten von ihnen in erster Linie nicht als Befreiung von einer Schreckensherrschaft empfunden, sondern vor allem als totaler Zusammenbruch der gewohnten Lebensumstände, als Chaos.

Norddeutschland hatte kaum Arbeitsplätze zu bieten. Die evangelische Kirche gab einen Teil ihres Landbesitzes frei und baute Siedlungen für Flüchtlinge, Nebenerwerbssiedlungen mit der Möglichkeit, Hühner, Kaninchen, Schafe und vielleicht ein Schwein oder eine Ziege zu halten und sich aus dem Garten selbst zu versorgen. Es war ein Tropfen auf den heißen Stein. Von einer Bodenreform war die Rede. Manche Besitzer großer Güter traten freiwillig Land ab an Landwirte aus Pommern, Ostpreußen oder Schlesien. Doch die Nutzflächen waren viel zu klein; sie boten auf Dauer keine Existenzgrundlage.

Es fehlten Lebensmittel, aber auch Brennstoff und Wasser. In Dahmsdorf hatten die hundert Einheimischen dreihundert Flüchtlinge aufnehmen müssen. Im heißen Sommer 1945 versiegten die Brunnen. Nur in den frühen Morgenstunden holten die Pumpen noch etwas Wasser herauf. Die leeren Milchkannen wurden in der Lübecker Molkerei mit Wasser gefüllt. Nun mussten – zumindest die Flüchtlinge – auch noch nach Wasser anstehen. Händewaschen war ein Luxus.
… Der Sommer ging schnell zu Ende, um alles tun zu können, was zum Überleben im Winter notwendig war: Brennholz beschaffen, hamstern, das heißt Vorräte anlegen, trocknen und einwecken. Wir sammelten Ähren auf abgeernteten Feldern, schnitten nachts bei Vollmond Haferbüschel ab, was ja schon Diebstahl war, und brachten sie zu einer Mühle, wo sie zu Haferflocken gemahlen wurden; wir klaubten Fallobst und Kartoffeln und bekamen auch manchmal einen Korb Äpfel geschenkt. Täglich waren wir viele Stunden auf Nahrungssuche. Wir ernteten alles, was die holsteinischen Knicks hergaben: Hagebutten, Schlehen, Haselnüsse, Holunder und trockene Äste. In einem Laubwäldchen fanden wir Bucheckern, eine Delikatesse. Fast regelmäßig klauten wir Grünfutter für unser Milchschaf, für das wir einen kleinen Stall gebaut hatten. Vier teuer bezahlte Hühner sollten uns mit Eiern versorgen. Mit unserem Viehzeug hatten wir jedoch Pech…..

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Mit diesem Blog wollen wir Ihre Abenteuerlust wecken und zu Erkundungsausflügen in die Umgebung einladen. Beginnen werden wir mit Reisebeschreibungen aus der Feder von Maria Frisé. Sie hat als Journalistin im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ viele Reiseberichte geschrieben und wird nun – speziell für Sie ausgerichtet – weitere lohnende Ausflugsziele vorschlagen.

 

 

Nr. 1

 

ALS FLÜCHTLING IN SCHLESWIG-HOLSTEIN

Im ersten Reisebericht erzählt die Autorin Maria Frisé
zunächst von ihrer Ankunft in Schleswig-Holstein.
Sie war 19 Jahre alt, frisch verheiratet und schwanger
(Text entnommen aus ihrem Buch „Meine schlesische Kindheit“).

Der Krieg war zu Ende, doch von einem normalen Leben waren wir weit entfernt. Millionen von Flüchtlingen hatten sich vor den Russen in die englische Besatzungszone gerettet. Die Häuser in dem ländlichen, verhältnismäßig dünn besiedelten Schleswig-Holstein füllten sich bis unters Dach; in Ställen und Scheunen, Baracken und Schuppen drängten sich Menschen aus dem Osten. Die „Stunde Null“ wurde von den meisten von ihnen in erster Linie nicht als Befreiung von einer Schreckensherrschaft empfunden, sondern vor allem als totaler Zusammenbruch der gewohnten Lebensumstände, als Chaos.

Norddeutschland hatte kaum Arbeitsplätze zu bieten. Die evangelische Kirche gab einen Teil ihres Landbesitzes frei und baute Siedlungen für Flüchtlinge, Nebenerwerbssiedlungen mit der Möglichkeit, Hühner, Kaninchen, Schafe und vielleicht ein Schwein oder eine Ziege zu halten und sich aus dem Garten selbst zu versorgen. Es war ein Tropfen auf den heißen Stein. Von einer Bodenreform war die Rede. Manche Besitzer großer Güter traten freiwillig Land ab an Landwirte aus Pommern, Ostpreußen oder Schlesien. Doch die Nutzflächen waren viel zu klein; sie boten auf Dauer keine Existenzgrundlage.

Es fehlten Lebensmittel, aber auch Brennstoff und Wasser. In Dahmsdorf hatten die hundert Einheimischen dreihundert Flüchtlinge aufnehmen müssen. Im heißen Sommer 1945 versiegten die Brunnen. Nur in den frühen Morgenstunden holten die Pumpen noch etwas Wasser herauf. Die leeren Milchkannen wurden in der Lübecker Molkerei mit Wasser gefüllt. Nun mussten – zumindest die Flüchtlinge – auch noch nach Wasser anstehen. Händewaschen war ein Luxus.
… Der Sommer ging schnell zu Ende, um alles tun zu können, was zum Überleben im Winter notwendig war: Brennholz beschaffen, hamstern, das heißt Vorräte anlegen, trocknen und einwecken. Wir sammelten Ähren auf abgeernteten Feldern, schnitten nachts bei Vollmond Haferbüschel ab, was ja schon Diebstahl war, und brachten sie zu einer Mühle, wo sie zu Haferflocken gemahlen wurden; wir klaubten Fallobst und Kartoffeln und bekamen auch manchmal einen Korb Äpfel geschenkt. Täglich waren wir viele Stunden auf Nahrungssuche. Wir ernteten alles, was die holsteinischen Knicks hergaben: Hagebutten, Schlehen, Haselnüsse, Holunder und trockene Äste. In einem Laubwäldchen fanden wir Bucheckern, eine Delikatesse. Fast regelmäßig klauten wir Grünfutter für unser Milchschaf, für das wir einen kleinen Stall gebaut hatten. Vier teuer bezahlte Hühner sollten uns mit Eiern versorgen. Mit unserem Viehzeug hatten wir jedoch Pech…..

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